Meine Rede zur Carl Lampert-Säule

Die tragende Säule "Carl Lampert"

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Zum Inhalt der Säulengestaltung

13. November 2012, St. Martin in Dornbirn


Wenn ein Holz waagrecht im Wasser treibt, wird es einmal ans linke und dann wieder ans rechte Ufer geschwemmt, und wird mitgerissen vom Strom der Gesellschaft, mitgerissen vom Strom der Ideologien und des unreflektierten Konsumrausches.

Aber – ein Holz mit Bewusstsein stellt sich, wie Carl Lampert, senkrecht in den Strom und ist dabei fest verwurzelt im Glauben und in der Menschlichkeit. Ja so ein Holz besitzt ein Rückgrat. So ein Holz wird zu einem Pfeiler auf dem Brücken gebaut werden können. Zu einem Pfeiler wie auch der heilige Christopherus, der Jesus auf seinen Schultern über den Fluss trägt – Jesus als Symbol für uns Menschen.

Wir stehen hier vor dieser schönen Klassizistischen Kirche St. Martin mit ihrer Optik eines Griechischen Tempels dem markanten Säulengang und dem Giebel. Gestatten Sie mir nun einen Gedankensprung zu den Griechen. Um 300 vor Christus hat Zenon von Kition die Philosophenschule der Stoiker begründet. Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in der Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit  und Seelenruhe zur Weisheit strebt. Einer der bekanntesten späteren Stoiker ist Seneca.

Stoisch – Dieser Begriff ist auch in unserer Sprache geläufig Ein stoischer Mensch = ein unerschütterlicher Mensch. So wie unser Seliger Carl Lampert – der unerschütterlich in seinem Glauben und Überzeugungen war – er hat sein Schicksal angenommen und ist nicht vor dem NS-Terror eingebrochen.

Stoisch ist abgeleitet von dem Begriff Stoa – und die Stoa ist im Griechischen die bemalte Säulenhalle vor dem Tempel. Also hier wor wir stehen ist die Stoa – sie ist auch als Zwischenraum zu sehen – zwischen Sacralraum und dem öffentlichen Platz.

So sind die Stoiker keineswegs verklärt oder dem Leben entrückt. Ganz im Gegenteil. Ich sehe sie als Bindeglied. Als Vermittler.

Wenn wir hier diesen Platz wahrnehmen sehen wir die Säulen, die Stufen, den Marktplatz und die Menschen. Michelangelo Bonarotti hat im 15 Jahrhundert schon darüber erzählt wie sie in Florenz als Jugendliche auf den Stufen des Domes das bunte Treiben und natürlich auch die jungen Mädchen beobachteten und sich vergnügten.

Und wenn wir hier an dieser mit Märtyrerblut getränkten Säule stehen, sehen wir nicht nur ein Mahnmal. Nein es ist viel mehr – es ist mehr ein Leuchten für das Leben wenn wir junge Menschen beobachten wie sie auf den Stufen sitzen / lachen / miteinander reden / und sich dabei fast anlehnen an die Säule, habe ich das Gefühl, als ob Carl Lampert mit Ruhe wirkt – von hinten – stützend.

Hier wird die Säule auch zu einem Forum der Meinungen, wenn Menschen versuchen sich auszudrücken, Gedanken, Wünsche und Emotionen mitteilen wollen, und dies im Rahmen ihrer Möglichkeit halt mit simplen Symbolen oder Wortfragmentetn tun, ist dies sicherlich auch im Sinne  vom seligen Carl Lampert - freie Meinungsäußerung, mitdenken, mitfühlen, sich einbringen in die Gesellschaft. Und hier ist auch klar zu erkennen, dass diese kleinen Grafitis der Statik der Säulen nichts anhaben können – mehr noch – sich die Säulen als „Prellbock als Plattform“ zur Verfügung stellen.

Ich weiß, dass ich nicht die Kraft und sicherlich auch nicht den Mut habe so wie es der selige Carl Lampert hatte. In seiner Konsequenz und Klarheit.

Aber ich bitte jeden Morgen wenn ich aufstehe dass ich die Kraft habe den Tag aufrecht und mit einer inneren Säule zu gestalten. Dass ich mir selbst, begegnen kann. Meiner Frau, meiner Familie, Nachbarn, Freunden und im Beruf zumindest eine kleine Stütze sein kann. Und wenn jeder von uns und wir alle gemeinsam versuchen diese Haltung einzunehmen, können wir vielleicht die Welt tragen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit

Martin Caldonazzi