Gestaltung der neuen Glocken

Ein wunderbare Aufgabenstellung war die Gestaltung der fünf neuen Glocken für die Pfarrkirche Nüziders.


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Herbert Burtscher | Glocken-Inschriften

Der Kirchturm und die Glocken sind weithin sichtbare und hörbare Glaubenszeichen. Sie beinhalten eine Botschaft. Können wir diese hören? Woran denken wir, wenn wir die Glocken läuten hören? Die Sprache des Wortes ist uns allen geläufig.

Die Sprache der Glaubenszeichen ist heute aber sehr verkümmert. In jedem Glaubenszeichen steckt eine übersinnliche, eine geistige Realität. Mit der Verarmung des Glaubenslebens, des praktizierten Glaubens verlieren wir aber allmählich auch die Fähigkeit, die Glaubenszeichen zu verstehen.

Bei uns soll das anders sein. Wir Nüziger wollen beim Läuten der Glocken mehr hören als nur eine mechanisch erzeugte Lärmquelle. Der Klang der Glocken soll etwas in uns auslösen, unsere Herzen mit einer tiefen Glaubensbotschaft bewegen.

Die Widmungen, der Glaubensgehalt der einzelnen Glocken knüpft einerseits an die Nüziger Tradition an und greift andererseits Anliegen unserer Zeit auf. Die Texte auf den Glocken reimen sich, damit sie nicht nur in den Glocken, sondern auch in unseren Herzen eingeprägt sind.

Martin Caldonazzi | Glocken-Gestaltung

Als Künstler ist eine Glockengestaltung eine spannende Heraus­forderung. Die komplexe Architektur der Glocke, die Drei-Dimensionalität, der Einfluss der Gestaltungen auf die Tonqualität, der Guss in Bronze, die religiösen Themen mit den zugewiesenen Inhalten – dies alles muss berücksichtigt und beachtet werden. Und dann steht keine Farbe zur Verfügung. Nur Bronze. Die gesamte Gestaltung der Texte und Symbole, kann nur auf der Glocke modelliert werden.

Mir persönlich war es ein Anliegen die fünf Glocken in „einem Guss“ zu gestalten. Dass das gewählte Gestaltungsprinzip eine Einheit bildet, so wie die Glocken auch zusammen klingen. Es geht nicht um „ein Bild“, sondern um eine Gestaltungsstruktur mit Texten, und die auf das Wesentliche reduzierten Darstellungen.

Das Wesen einer Glocke ist es, dass sich ein ganz spezieller Ton, in Wellen in alle Richtungen – also mehrdimensional – ausbreitet, wenn die Glocke angeschlagen wird. Alle Menschen können dies hören. Die Klangwellen enden nicht an der Dorfgrenze, sondern gehen weit darüber hinaus. Schwing­un­gen, die in uns Menschen wirken.

So war es für mich klar, dass die Gestaltung die gesamte Glocke umfassen muss. Dass sich die Glocke mit dem Ton, dem Text und der Darstellung verbindet und sich so mit jedem Glockenschlag in die Welt verbreitet.




Friedens Glocke

Ihr heiligen Viktor und Markus
Patrone für Liebe und Frieden
in der Tat und im Wort
für alle Menschen im Ort


Die Heiligen Viktor und Markus stehen durch die legendäre Überlieferung ihrer Lebensgeschichten für Glaubenstreue und Verkündigung. Viktor wird für seine Glaubenstreue als frühchristlicher Märtyrer verehrt, der Evangelist Markus legte als einer der „Biographen Jesu“ die Grundlage zur Überlieferung der christlichen Botschaft. Beide sind Kirchen- und Pfarrpatrone von Nüziders. Ihnen ist auch diese Glocke gewidmet, damit aus der christlichen Botschaft Friede für die gesamte Gemeinde Nüziders und die Welt entstehe.

Diese Glocke steht für die Gemeinde – für die Menschen im Ort. Dargestellt sind Menschen von oben mit ausgebreiteten Armen – zueinander gerichtet. Menschen, die miteinander in Kommunikation stehen, offen sind. Kommunikation ist die Basis für Frieden. Und so strahlt diese Haltung der Menschen im Ort wiederum hinaus in die Welt – genau so wie der Klang dieser Glocke.

Ave Glocke

Ave Maria – Hellhörig für Gott
in Zweifel und Not
dein helles Geläute
uns Trost und Hoffnung bedeute


Seit Jahrhunderten rufen Glocken zum Gebet: in der Früh, zu Mittag und am Abend unterbrechen sie den Tagesrhythmus und erinnern an das Innehalten. „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“, heißt es in einem Gebet, das eng mit diesem Läuten zusammenhängt. So soll das „Ave Maria“, das diese Glocke verkündet, uns hellhörig machen. Wann immer das Läuten dieser Glocke den Tageslauf unterbricht, soll ihr Klang Hoffnung und Trost bedeuten, wie es der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Thessaloni­cher schreibt: „Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort.“

Die Darstellung zeigt die heilige Maria mit ihrem Schutzmantel, verbunden mit Gott. Helle und heilvolle Wellen strahlen von ihr aus und umspannen die ganze Glocke. Diese aufrechten Strahlen sollen uns im Leben stärken und aufrichten.

Sonntags Glocke

Jesus – du lädst uns ein
mit dir in Gott vereint zu sein
unser Herz entzünde
dass es in dir Erfüllung finde


„Sechs Tage sollst du arbeiten; der siebente Tag aber ist der große, heilige Sabbat, da ihr zusammenkommt“, wird vom Propheten Moses im Buch Leviticus überliefert. Der Sonntag als „Tag des Herrn“ war und ist schon seit vielen Jahrtausenden ein besonderer Wochen­tag. An diesem Tag versammelt sich auf den Ruf der Glocken die Gemeinde.

Wir stellen Jesus ins Zentrum. Wie das Brot auf einem Teller. Das Zentrum besteht aber nicht aus einem einzelnen Punkt, es sind vielmehr drei ineinander verschmolzene Punkte. Symbol für Geist, Seele und Körper. Symbol für die Dreifaltigkeit. Fokussiert auf das Wesentliche, lädt es dazu ein, sich um dieses Zentrum zu versammeln – Halt zu finden – und sich in der Gemeinschaft weiter zu entwickeln.

Borromäus Glocke

Hl. Karl Borromäus – bitte für uns
die Sehnsucht nach Gott entfache in uns
zum Priester- und Ordensstand führe uns
den Geist der Erneuerung rühre in uns


Kardinal Karl Borromäus (1538-1584) galt bereits zu Lebzeiten als Ideal­typus eines christlichen Kirchenmannes. 1610 erfolgte seine Heilig­spre­chung. Als Erzbischof von Mailand wandte er sich gegen die Verweltlichung und leitete mit beachtlichem Erfolg Reformen ein. Er gründete Schulen und Priesterseminare und sorgte mit Feuereifer für eine Wiederbelebung des Glaubens. Sein Fa­milien­­wappen enthält die so genannten „Borromäischen Ringe“.

Die Darstellung zeigt diese Ringe – drei ineinander verschlungene Ringe. Löst man einen der Ringe heraus, so sind auch die beiden anderen frei. Das heißt, die Ringe sind paarweise nicht verschlungen, obwohl alle drei zusammen­ge­nommen miteinander verschlungen sind. Aufgrund dieser Eigenschaft stehen sie, in aller Freiheit, für Vernetzung, Stärke und Einigkeit.

Toten Glocke

Hl. Benedikt – bitte für uns
mit diesem Klang wecke uns
im Leben zur Umkehr
im Sterben zur Heimkehr


Die neue Totenglocke ist dem Ordensgründer Benedikt von Nursia gewidmet. So ist sie auch Zeichen unserer Verbundenheit mit Einsiedeln. Mit seiner Ordensregel (regula benedicti) schuf Benedikt von Nursia nicht nur die Grundlage des Benediktinerordens – sie wurde auch zur Basis für die Werteordnung und Neuausrichutng des Christentums in Europa. So soll die Totenglocke ein Weckruf für uns sein und zur Reflexion des eigenen Lebens anregen.

Eine in einer endlos horizontalen, die Glocke umkreisenden Form, zeigt den Fluss des individuellen Lebens, nimmt aber auch das Ineinandergreifen mehrerer Lebenslinien auf. Bildet Wellen und Räume mit Unter­brüchen – so wie es im Leben auch Höhen und Tiefen gibt.

Glockenmodellierung bei Grassmayer in Innsbruck

In der Glockengießerei Grassmayer in Innsbruck

Ein besonderer Moment - das erste anschlagen der Glocke

Glockenweihe

Glockenweihe durch Generalvikar Rudolf Bischof am 2. Oktober 2016